Recht hohe Wellen unter den Fans und kritische Antworten haben meine Weihnachtswünsche vor sechs Jahren ausgelöst. Aber irgendwie wurde mein Anliegen leider bis heute nicht so recht umgesetzt. Daher stelle ich meinen damaligen Blog aus dem Jahr 2011 hier nochmals online. Willkommen im Dezember 2011:
Unlängst traf ich im Rahmen einer Übertragung des Spiels Vienna Capitals gegen den KAC eine Arbeitskollegin im ganz neuen Eissportzentrum Kagran. Sie war erstmals live in einer Eishalle dabei. Auf meine Frage, wie es ihr denn gefallen hätte, meinte sie:
Das Spiel war schon cool, aber die ständigen Beschimpfungen zweieinhalb Stunden anzuhören, war eine Zumutung.
Ich war ganz baff, vor allem das von jemandem zu hören, der Woche für Woche bei Rapid im Stadion sitzt und daher wohl die auch nicht noblen Schlachtgesänge der Fußballer kennt.
Und dann habe ich mir das Ganze nochmals durch den Kopf gehen lassen. Sie hat Recht, ein Großteil der Fangesänge in Österreichs Eishallen besteht mittlerweile einfach nur aus Schimpfen und Schlechtmachen der gegnerischen Mannschaft, der Schiedsrichter, der gegnerischen Fans usw. Aus Pfeifkonzerten, um seinen Unmut über alles Mögliche auszudrücken. Und das kann bei einem schlechten Spiel oder einem schlechten Tabellenplatz dann oftmals auch gegen die eigene Mannschaft gerichtet sein.
Da muss ein Heimteam ja manchmal schon froh sein, wenn die Fans nur „Wir wollen Euch kämpfen sehen!“ singen
Nun hat ja in den letzten Tagen und Wochen wieder die Weihnachtszeit auch in Österreichs Eishallen Einzug gehalten. Nach den schiarchen und behaarten Perchten sind nun die „Teddy-Bär-Werfer“ und „Punsch-für-einen-guten-Zweck-Ausschenker“ im Rampenlicht. Jeder will was Gutes tun. Passt. Dann, liebe Fans, darf ich mich gleich mit einem Wunsch anschließen: Wir befinden uns bereits in der Crunch-Time der Weihnachtszeit, Sonntag ist es ja schon wieder so weit:
Verhaltet Euch in der Halle so, als ob es bereits der Heilige Abend wäre und Ihr bei Eurer Familie oder Euren Liebsten seid!
Damit meine ich nicht, dass Ihr eine „stille Nacht“ in der Halle verbringen sollt, sondern, dass Ihr einfach nett seid. Wie ich mir das vorstelle? Hier ein paar Beispiele:
@ Schiedsrichter: Wenn die Refs das Eis betreten – ohne noch irgendjemandem irgendetwas getan zu haben – pfeift sie nicht aus, sondern applaudiert ihnen.
@ Gastmannschaft: Natürlich braucht Ihr die Gästeteams nicht mit Applaus begrüßen, aber Ihr braucht sie ja nicht gleich auszupfeifen und zu beschimpfen. Lasst die Gästefans ihr Team supporten und hört denen einfach für die kurze Zeit des Einlaufes zu. Vielleicht singen die ja ein Lied, das Ihr noch gar nicht kennt.
@ Gegnerische Fans: Grölt nicht die seit teils 20 Jahren gleichen einfallslosen Parolen in Richtung anderen Sektor. Schaut in den Pausen rüber zu den anderen Fans, ladet sie auf ein Bier ein und plaudert mit ihnen über das Spiel. Und für alle ganz Mutigen unter Euch: Ich habe schon seit Ewigkeiten keine Polonaise mehr in Österreichs Hallen gesehen, so wie es bei internationalen Turnieren oft fan-verbrüdernd geschieht.
@ Gesänge: Schreit Euch die Seele aus dem Leib, um Eure Mannschaft anzufeuern, trommelt, bis die Schlägel brechen, aber konzentriert Euch dabei einmal nur auf die eigene Mannschaft. Feiert Eure Spieler, in dem Ihr sie für spezielle Aktionen auf dem Eis auch einzeln hoch leben lässt. Feiert Euch selbst, feiert Eure Stadt, feiert mit Euren Freunden auf den Rängen. Oder singt einfach mal nur ein Weihnachtslied gemeinsam. Was glaubt Ihr, könnte das für eine Stimmung im Stadion erzeugen?! Die Spieler würden wahrscheinlich ihren Ohren nicht trauen und ein guter DJ würde wohl die passende Hintergrund-Beschallung schnell einspielen können.
Nehmt einfach eine Spur Aggressivität raus, hängt nicht an den Sicherheits-Netzen wie kleine Afferln und bespuckt nicht die Referees oder die gegnerischen Spieler. Rennt nicht bei jeder fraglichen Abseitsentscheidung wutentbrannt vom zweiten Rang bis zur Eisfläche runter. Warum nicht? Naja, dafür gibts viele Gründe, die bei Respekt beginnen und bei Fair-Play aufhören.
Aber macht es einfach mal nur für einen Abend. Einfach nur, weil Weihnachten ist!